Was gehört eigentlich alles zu Social Media und was nicht? Wie können wir Social Media Portale einteilen (klassifizieren)? So einfach diese Frage im ersten Moment klingt, so schwierig ist sie im Detail zu beantworten. Denn der Begriff „Social Media“ ist recht schwammig definiert und kaum sauber abgegrenzt.

Eine Annäherung an die Frage, was Social Media Plattformen sind und welche nicht, braucht also erst einmal klare Kriterien. Und dazu eignen sich die typischen Eigenschaften uns bekannter Social Media Plattformen. Lassen Sie uns also sehen, was alle Social Media Portale gemeinsam haben und welche sich dann als klare Kriterien für eine Einordnung bzw. Klassifizierung eignen.

Merkmale von Social Media Plattformen

Vier Mermale sind es, die allen Social Media Plattformen inne wohnen und so zur Definition und Differenzierung von Social Media dienen können. Es sind:

  • Nutzerprofile
  • Verbindung / Vernetzung
  • Austauschen und Kommunizieren
  • Bewerten

Hat ein Online-Angebot diese vier Eigenschaften oder Funktionen, dann zählt es mit großer Wahrscheinlichkeit zum Bereich des Social Media. Lassen Sie und diese Eigenschaften einmal im einzelnen betrachten und besprechen:

Nutzerprofile

Ein Nutzer meldet sich bei einer Social Media Plattform üblicherweise an und hat dann ein Profil. Er stellt sich über dieses Profil auch den anderen Nutzern vor. Das Minimum eines Profils ist der Nutzername und das Passwort. Dazu kommt meist ein Name – sei es es Realname, wie es Facebook in seinen Nutzungsbedingungen fordert, oder sei es ein frei vergebbarer Nutzername.

Screenshot YouTube Kanal Thomas Hörner

Das Profil des Autors auf YouTube (sein „Kanal“; in diesem Bild noch nicht sehr schön eingerichtet ;-)).

Häufig fallen Profile aber auch viel ausfühlicher aus: Bild(er), persönliche Interessen, aktuelle oder frühere Arbeitgeber – je nach Social Media Plattform findet sich der unterschiedlichste Profil-Aufbau. Nur eines ist Social Media Plattformen gemeinsam: alle Nutzer haben ein (mehr oder weniger umfangreiches) Profil.

Wichtig dabei: Ein Profil kann nicht nur eine reale Person repräsentieren, sondern auch ein Unternehmen oder eine Marke. Analog dem rechtlichen Begriff einer „juristischen Person“ (die ja auch keine reale Person ist, sondern ein Gebilde wie ein Unternehmen oder ein Verein) gibt es in Social Media Unternehmensprofile, z.B. Unternehmensseiten in Facebook oder Google+. Und genauso, wie Unternehmen letztendlich von realen Personen geführt werden, so werden Unternehmensprofile in Social Media Plattformen von den Profilen realer Personen angelegt und betreut (dem Administrator oder Verwalter der Unternehmensseite).

Übrigens: ein Profil heißt in den meisten Social Media Plattformen so. Die Bezeichnung spielt aber an sich keine Rolle, sondern nur die Tatsache, dass es ein Profil (als solche Funktion bzw. als den Nutzer darstellendes Informationsangebot mit einem Login) gibt. So ist in YouTube der Account mit der Kanalinfo als solches Profil zu interpretieren.

Sich verbinden in Social Media

Immer geht es in Social Media darum, sich mit anderen Nutzern (oder genauer gesagt: mit anderen Profilen) zu verbinden. So entsteht ein Netzwerk von Nutzer(profile)n als Grundlage für die Social Media Plattform.

Button "Pinnwand folgen" von Pinterest

Beispiel aus Pinterest: der Pinnwand-folgen-Button.

Diese Verbindung von Profilen kann je nach Social Media Plattform unterschiedlich aussehen und hat immer wieder andere Namen – sie ist aber immer vorhanden.

So heißt die Verbindung in Facebook „Freund“ oder „Fan“, in Google+ hat man „ein Profil in seinem Kreis“, in YouTube „abonniert“ man einen Kanal oder man „folgt“ einem Anbieter auf Twitter. So unterschiedlich das klingt, so ist es doch immer das gleiche: ein Profil verbindet sich mit einem anderen.

Abonnieren Button aus YouTube

In YouTube verbindet man sich mit einem Profil („Kanal“), indem man ihn abonniert.

Diese Verbindung kann entweder unidirektional und bidirektional sein. Hier unterscheiden sich die verschiedenen Social Media Plattformen.

Hat man in Xing einen Kontakt, so ist das eine in beide Richtungen gleichberechtigte Verbindung. Es ist egal, wer den Kontakt initiiert hat: die Funktionalitäten sind für beide Verbindungspartner gleich.

Anders ist das zum Beispiel in Twitter: ist man hier Follower eines Profils, so ist das unidirektional – man erhält alle Tweets dieses Profils. Die eigenen Tweets werden aber noch lange nicht an dieses andere Profil weiter geleitet.

Austauchen und Kommunizieren in Social Media

In praktisch allen Social Media Plattformen werden Inhalte ausgetauscht, von Kurzinfos über einfache Gespräche bis hin zu aufwändigen Media-Daten. Eines aber ist wieder allen Plattformen gemeinsam: die Inhalte wandern von Nutzer zu Nutzer (bzw. von Profil zu Profil). Inhalte werden geteilt, beantwortet und kommentiert sowie weitergeleitet.

Das Austauschen und Kommunizieren heißt dann auch auf jeder Social Media Plattform anders: Man schreibt eine Statusmeldung („Was machst Du gerade“ in Facebook), man tweetet oder man lädt ein neues Video hoch (und alle Abonennten des Kanals erhalten dieses). Man postet, shared, teilt, re-pinnt, kommentiert und retweetet.

Der Typ des geteilten Inhalts unterscheidet die Social Media Plattformen

Ein zentraler Unterschied zwischen den Social Media Plattformen ist die Art dieses geteilten Inhalts. Und über die Art des Inhalts definiert sich meist auch, welche Plattformen als Konkurrenten / Wettbewerber anzusehen sind und welche nicht.

  • Videos werden als Inhalte bei YouTube geteilt. Als Wettbewerber sind beispielsweise Vimeo und myVideo anzusehen, die ebenfalls Videos teilen.
    • mit Kurzvideos von 6 Sekunden, die in einem Endlos-Loop laufen, versucht sich Vine einen eigenen Platz in der Social Media Welt zu erobern.
    • Live-Videos, die nur im Moment der Entstehung zu sehen sind und nicht gespeichert werden, sind der in Periscope geteilte Inhalt. Außerdem beschränkt sich Periscope auf Smartphones als Geräteplattform.
  • Kurzmeldung (oder Short Message), also ein in der Länge beschränkter und eventuell mit Bild oder Link versehener Text – das ist ein Tweet, der in Twitter geteilte Inhaltstyp. Bedeutende Wettbewerber gibt es kaum, auch wenn Quitter oder Trsst als solche antreten.
  • Bilder als Inhalte teilen verschiedene Social Media Plattformen. Sie versuchen sich oft durch verschiedene Anwendungsgebiete, Funktionalitäten oder besondere Bildtypen unterscheiden.
    • Fotoalben tauschen die Nutzer von Flickr aus, das sich auf diese Bildart als Inhalt konzentriert.
    • Bilder auf Smartphones werden oft über Instagram geteilt. Die Bilder werden meist mit Textbeiträgen ergänzt und ähneln damit oft überlangen Twitter-Tweets mit Bild oder Ein-Bild-Weblog-Beiträgen.
    • Thematische Bildersammlungen die in so genannten Boards (deutsch: Pinnwänden) organisiert sind, sind die in Pinterest geteilten Inhalte. Sehr oft sind die Bilder von den Pinnern (so heißen dort die Profile) nicht selbst hochgeladen worden, sondern sie stammen von verschiedensten Website im Internet und verlinken auch dorthin.
  • Auf Präsentationen als Inhalte hat sich Slideshare spezialisiert. Dort laden die Nutzer kleinere und größere Präsentationen zu allem möglichen Themen hoch und teilen diese.
  • Wissen (in verschiedensten medialen Formen, meist Texten und Bildern) ist ein ebenfalls auf verschiedensten Plattformen geteilter Inhalt.
    • Wissen in Form von Fragen und Antworten werden auf (sic!) Frage-Antwort-Portalen geteilt. Bekannte Beispiele sind gute-frage.net oder Yahoo Clever.
    • Wikis sind gemeinsam erstellte Inhalte zu allgemeinen oder speziellen Themen. Das universelle Wikipedia ist das prominenteste Beispiel, aber viele thematisch spezialisierte Wikis gehören ebenfalls zu dieser Kategorie.
  • Bewertungen sind ein weiterer verbreiteter Inhaltstyp, auf den sich verschiedene Social Media Portale konzentrieren.
    • So werden in Ciao.de Erfahrungsberichte mit Produkten erstellt und geteilt.
      Anmerkung: In Ciao findet man die Funktion einer Vernetzung übrigens nicht auf den ersten Blick (man kann weder Profilen noch Produkten folgen). Sie können allerdings Nutzer in ein s.g. Vertrauensnetzwerk aufnehmen – letztendlich also nur eine sehr spezialisierte Form der Verbindung von Profilen.
    • In vielen Portalen werden Hotel- und Reisebewertungen geteilt. Ein verbreitetes Portal ist z.B. Tripadvisor.
  • Links können auch ein geteilter Inhaltstyp sein, wie uns beispielsweise Delicious.com oder ping.it zeigt.

Die universellen Social Media Netzwerke

So genau man Social Media Plattformen nach geteilten Inhalten unterscheiden kann, so ungenau ist dieses vorgehen, wenn man zum Beispiel Facebook betrachtet: hier können Kurzmeldungen genauso geteilt werden wie Videos oder Bilder.

Wir müssen also unterscheiden zwischen den universelleren Netzwerken, die mehrere verschiedene Inhaltstypen verwenden und den Spezialisten, die sich auf einen Inhaltstyp konzentrieren.

Zu ersteren gehören sicherlich die großen Netzwerke wie das bereits genannte Facebook. Zu den zuletzte genannten würde sicherlich Pinterest oder Vine gehören.

Social Media bewertet und empfiehlt

Haben wir nun Nutzerprofile, die sich miteinander verbunden haben und – welche Inhalte auch immer – miteinander austauschen, so kommt jetzt noch das Kriterium „Bewertungen“ hinzu, das sich in praktisch allen Social Media Plattformen wieder findet.

YouTube "Mag ich" Symbole

Beispiel Bewertungen in YouTube: Mag-ich und Mag-ich-nicht.

Bewertungen können dabei je nach Plattform wieder verschiedenes Aussehen annehmen bzw. sich in verschiedene Funktionalitäten widerspiegeln. Das kann eine Bewertung mit Sternchen sein (z.B. nach dem Motto „dieser Beitrag hat mir geholfen / gefallen“. Es kann aber auch ein Like / Gefällt-mir sein, wie es in Facebook verwendet wird, um Einträge jeder Art positiv zu bewerten. In YouTube werden die Bewertungen mit zwei Symbolen zu „mag ich“/“mag ich nicht“ realisiert.

Schlussfolgerung: die vier Kriterien und eine Klassifizierung von Social Media

Zusammengefasst lässt sich sagen: es gibt vier zentrale Kriterien, nach denen entschieden werden kann, ob ein Onlineangebot zu Social Media zählt oder nicht. Diese vier Kriterien sind: es gibt ein Nutzerprofil, die Nutzer können sich verbinden/vernetzen, sie Tauschen Inhalte aus und es gibt eine Möglichkeit, zu bewerten.

Diese vier Kriterien haben auf den verschiedenen Social Media Plattformen dann nur verschiedene Bezeichnungen und Ausprägungen.

Anhand des Typs der Inhalte, die innerhalb einer Social Media Plattform ausgetauscht werden, können wir dann die verschiedenen Angebot klassifizieren (siehe Aufstellung oben).