Die mobile Welle rollt. Aber überrollt Sie die Handelsunternehmen schneller, als dort Strategien für diese Herausforderungen entwickelt werden?

Sicher: praktisch jeder Markenherstellern hat sich schon mit mobilem Marketing beschäftigt und alle größeren Unternehmen und Marken habe auch schon eine mobile Website bzw. eine App. Aber haben eigentlich die Handelsketten schon erkannt, dass das nur Peanuts sind im Vergleich zu den, was da auf sie zurollt?

Immerhin: der zur Metro-Gruppe gehörige Discounter Real bietet seit Ende Januar 2010 eine eigene Real-iPhone-App an – sogar mit elektronischem Einkaufzettel, Kochvideos, Laden-Suche und natürlich wöchentliche Sonderangebote. Gar nicht so schlecht schon mal. Immerhin nicht – wie so oft bei neuen Marketinginstrumenten – nur platte Werbung, sondern Real hat sich scheinbar Gedanken, wie der Discounter im täglichen Leben seiner Kunden verankert ist und er dort per Handy unterstützen kann. Da kann sich manch anderer im Handel schon was abschauen.

Aber die wirkliche Revolution für den Handel wird woanders liegen (und ist auch zeitlich gar nicht mehr so weit entfernt): Preisvergleich direkt am Regal mit dem Laden nebenan bzw. mit Webhops? Existiert bereits per Barcode-/EAN-Scan mit dem Handy. Einfach Kamera des Mobiltelefons auf eine Verpackung im Regal halten und schon sprudeln zum gewählten Produkt Öko-Informationen (z.B. von Greenpeace)? Nichts, was erst noch erfunden werden muss.

Auf diese Weise verschwindet durch das Handy eine nie hinterfragte Grundvoraussetzung, auf die sich der Handel bisher verlassen konnte: war der Kunde einmal im Laden, war er während seiner Kaufentscheidung quasi vollständig von der restlichen Umwelt abgeschnitten. So konnte Kaufentscheidungen im Laden gut beeinflusst werden. Erst mehrere Läden zum Preisvergleich ablaufen – meist zu aufwändig. Und zu einem Produkt vorher oder später im Internet recherchieren – hat der Kunde nur in Ausnahmefällen gemacht.

Per Mobiltelefon öffnet sich das Ladengeschäft jetzt aber und die gesamte online verfügbare Information steht dem Käufer direkt am Regal zur Verfügung. Die Informationshoheit des Handels im eigenen Laden ist praktisch tot.

Das ist die eigentliche Herausforderung, auf die der Handel in den kommenden Monaten neue Strategien entwickeln muss. Nur wer hier die richtigen Wege einschlägt und diese grundsätzliche Veränderung des stationären Handels begreift und sich darauf einstellt wird einen mittel- und längerfristige Zukunft haben. Egal ob großer Handelskonzern oder nur kleinerer Fachhändler.

P.S.: Oben wurde die eher negative, herausfordernde Seite von  Mobiltelefonen im Handel aufgezeigt. Das heißt aber nicht, dass das Handy nicht auch positiv für das Marketing direkt im Laden eingesetzt werden kann – mehr dazu demnächst an dieser Stelle.