Schriftzug Willkommen am Hotspot der Telekom bei der Stadt HamburgEs ist ein toller Service, den die Telekom in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn anbietet: ich kann auf jedem Bahnhof kostenfrei einen WLAN-Hotspot nutzen. Und weil ich auch noch einen Telekom-Mobile-Vertrag habe, bin ich noch nicht mal zeitlich in der Nutzung beschränkt.

Beim letzten Einloggen in den Hotspot im Hamburg wurde ich aber mit komischem Deutsch bzw. einer völlig unpassenden Ortsangabe empfangen: „Willkommen beim Hotspot der Telekom bei der Stadt Hamburg“. Bei? Ich war in diesem Moment in der Lounge des Hauptbahnhofs. Also nicht bei Hamburg, sondern direkt in Hamburg. Das mag ein Detail sein, aber es ist ärgerlich, wenn gerade bei der Begrüßung des Kunden solche Schnitzer passieren.

Was war wohl der Grund für diese verwirrende Angabe? Mehrere Gründe sind vorstellbar:

  • Schlechte Ortserkennung
    Obwohl ich im Hauptbahnhof saß und dort ins WLAN ging, könnte eine fehlerhafte Datenbank oder eine unsaubere Ortserkennung eine nicht eindeutige Lokalisierung erzeugt haben, so dass die Software wirklich glaubt, ich sei nur bei und nicht in Hamburg.
    Lerneffekt: Vorsicht bei der Ortserkennung. Kunden sind schnell verwirrt oder gar verärgert. Es ist zwar etwas tolles, wenn Kunden aufgrund seines Standortes anzusprechen (Stichwort Local Based Services – LBS), aber das macht nur dann und nur dort Sinn, wo man eine sehr gute Ortserkennung sicherstellen kann. Ansonsten vielleiht lieber mal die Finger davon lassen.
    Wäre ärgerlich, wenn das der Grund in diesem Fall wäre: die Telefon sollte als Anbieter von Mobilfunktechnik und -verträgen sowas können – ansonsten zahlt es negativ auf die Marke Telekom ein.
  • Programmierer-Deutsch
    Eine andere Möglichkeit, wie solche Ergebnisse zustande kommen, könnten die Programmierer hinter dem System gewesen sein. Sie müssen ja aufgrund des – eigentlich sogar korrekt erkannten – Standorts einen Text zur Anzeige zusammen bauen. Programmierer sind aber keine Germanisten. Und so wird mit zwei oder drei Fällen getestet und niemandem fällt auf, dass in anderen Fällen ganz krumme Sätze rauskommen.
    Lerneffekt: Wenn Sätze programmiertechnisch erzeugt werden, muss neben dem Programmierer auch ein Mitarbeiter mit gutem Gefühl für Sprache und Anwendungssituationen ins Team, der alle möglichen Fälle durchdenkt und überlegt und mit dem Programmierer abspricht.
    Vielleicht hat in dem betrachteten Fall die Technik meinen Standort ja wirklich richtig erkannt, nur die Programmierlogik der Satzerzeugung hat dann einen falschen Sinn erzeugt.
  • Fehlende Tests
    Die im Beispiel betrachtete, scheinbar falsche oder verwirrende Ortsangabe kommt ja erst, nachdem man sich eingeloggt hat. Bei vielen Internetprojekten wird zwar umfassend getestest und Korrektur gelesen – aber die Seiten hinter dem Login, nach Absenden eines Formulars, am Ende einer Bestellung etc. rutschen immer wieder durchs Raster oder erfahren zu geringe Aufmerksamkeit.
    Lerneffekt: Tests müssen gut geplant werden. Es genügt nicht, „sich mal ranzusetzen und durchzuprobieren“ oder jemandem zu sagen „er soll mal korrekturlesen“. Erstellen Sie ausfühliche Testpläne, damit auch nicht sofort per Klick erreichbar Seiten, die nur in ganz bestimmten Fällen auftauchen, getestet und Korrekturgelesen werden.

Ich weiß nicht, wie es im gezeigten Fall des Telekom Hotspots zu dieser unschönen Ausgabe kam. Aber die gerade betrachteten drei Möglichkeiten sollten jeden, der an Internet-Projekten arbeitet, zu denken geben.

Screenshot der Begrüßungsseite des Telekom-Hotspots Hamburg