Firmenschild der Job AG in Bamberg

Eigentlich perfekt: Bamberg Innenstadt. Hier läuft fast jeder vorbei. Und an der Bushaltestelle vor der Tür stehen Menschen und waren (und nutzen ihr Handy). Der ideale Ort, um aktuelle Job-Angebote und -Gesuche zu kommunizieren. Ein auffälliges Schild macht auf die Job AG aufmerksam. Gut gemacht: nicht nur Texte und Logo, auch sympathisch wirkende Menschen sind zu sehen. Und der QR Code ist auch in exakt der richtigen Höhe angebracht, um ihn einfach mit ausgestrecktem Arm abzuscannen (siehe in diesem Weblog ein anderes Beispiel zu Obi QR Codes, bei dem man sich erste fast bis zum Boden bücken muss, um dem Code zu scannen). Diese Außenbeschriftung ist gut und ihr Geld sicherlich wert – oder besser: wäre es fast gewesen.

Denn die ganze Mühe wird kaputt gemacht, weil man beim QR Code (wahrscheinlich wegen fehlendem Fach-Know-How) ein paar ganz einfach zu vermeidende Fehler gemacht hat. Fast hätte das Beispiel ein Best-Case werden können, so aber ist es ein Negativ-Beispiel, wie man gute Investionen schnell zerstören kann, wenn keine Fachleute hinzu gezogen werden.

Wo ist also der Fehler gemacht worden?
Fünf Lerneffekte lassen sich aus diesem Beispiel ableiten:

Lerneffekt 1: Mische niemals Text und Links in einem QR Code, wenn die Kampagne erfolgreich sein soll.

Anzeige nach QR Scan mit iPhone, Beispiel App Quick Scan

Im Beispiel hatte man scheinbar das Wesen von QR Codes nicht verstanden. Man hat einen QR Code erzeugt, der einen Text enthält und in den Text eine URL integriert („Attraktive Stellenangebote unter www.job-ag.com“).

Was man hätte wissen müssen: ein QR Code mit Text zeigt diesen Text nur an. Das verärgert aber den Nutzer, weil er sich die Mühe macht, den Code zu scannen und absolut nichts neues erfährt, das er auch schon auf dem Schild gelesen hatte.

Will man eine Internetseite zeigen, muss man einen QR Code mit URL machen – und NUR diese Internetadresse OHNE zusätzlichen Text! Eine Kombination – also Text mit Link – ist im QR Code Standard nicht vorgesehen. Auch wenn manche Scan-Software den Link anklickbar macht: erstens ist das eine unnötige Mühe, die man dem Nutzer zumutet und zweitens machen eben viele Barcodescanner den Link NICHT anklickbar (siehe rechts das Beispielbild von Quick Scan auf dem iPhone).

Job AG Beispielanzeige nach Scan auf Android

Lerneffekt 2: Zeige keine klassische Desktop-Website, die dann kaum lesbar ist

Betrachten Sie sich den Screenshot rechts: so sieht es aus, wenn man sich wirklich noch die Mühe macht, den angegebenen Link zu verfolgen. Das einzige, das man erkennen kann, ist die Headline „Neuer Job?“ und im Logo der Text „Job AG“. Also wieder keine neue Erkenntnis, kein Nutzwert, der über das Firmenschild hinausgeht. Man  mutet dem Nutzer zu, sich jetzt nochmal Mühe zugeben und mit weitere Klicks, mit Zoom und Scrollen sich die eigentlich für Smartphones nicht geeignete Seite irgendwie zu erschließen. Bis dahin ist längst der Bus gekommen und man hört auf, die vom Unternehmen aufgestellten Hindernisse mit viel Mühe zu überwinden. Eine schnelle, für Mobiltelefone optimierte Website hätte in der gleichen Zeit längst passende Jobinfos vermitteln können.

Kurz: ein QR Codes sollte niemals einfach nur auf die Startseite der klassischen Website führen. Die ist auf dem Smartphone nur mit Mühe nutzbar und bietet – so wie in diesem Beispiel – oft keinerlei Mehrwert für den Interessenten.

Lerneffekt 3: Die Kenntnis über die aktuelle Situation des Kunden nutzen

Was erwartet ein Interessent, der vor einem Firmenschild „Job AG“ steht und einen QR Code sieht? Ganz klar: aktuelle Jobs. Gesucht und / oder Angebote. Und wenn möglich natürlich erstmal welche in der Region. Warum also nur auf die Startseite der Website leiten? Bieten Sie Informationen, die Interessenten aufgrund des Anbringungsortes eines QR Codes erwarten, sofort, direkt und in passender Aufbereitung für Smartphones. So erzielen Sie den besten Werbeeffekt.

Lerneffekt 4: Controlling gleich mit einplanen

Wie oft wird ein QR Codes gescannt? Was machen Nutzer nach dem Abscannen? In obigem Beispiel ist es technisch praktisch nicht möglich, solche Statistiken zu erfassen. Der Anbieter weiß also gar nicht, was der QR Code ihm bringt. Oder anders herum gesagt: hätte er an die Erfolgsmessung gedacht, wäre ihm so manch anderer Fehler auch überhaupt nicht unterlaufen.

Deshalb: immer die Erfolgsmessung gleich mit einplanen, wenn Sie QR Codes einsetzen.

Lerneffekt 5: QR Codes scheint einfach – trotzdem braucht es Experten

Alle oben aufgeführten Fehler sind eigentlich „Anfängerfehler“. Kein Experte in digitalem Marketing und mit ausreichendem Hintergrundwissen hätte diese Fehler gemacht. So aber wurden die investierten Kosten in das tolle Firmenschild durch Unkenntnis zunichte gemacht und erreichbare positive Effekte nicht annähernd erreicht.

Es ist natürlich sehr einfach, im Internet mit einem QR Code Generator jederzeit selbst QR Codes zu erstellen. Aber genauso, wie jeder, der sich im Laden einen Pinsel kaufen kann, nicht sofort tolle Ölgemälde zustande bringt, genauso wenig wird eine Marketing-Kampagne durch das QR-Code-Erzeugen-Können automatisch eine sinnvolle und erfolgreiche Aktivität.