Fahrradhose
Die Fahrradhose führt in diesem Artikel zu Empfehlungen für den Innenstadt-Handel…

Ist das Internet der Untergang der Händler in den Innenstädten? Diese Frage steht oft im Vordergrund bei den vielen Anfragen, die ich dieses Jahr als Redner zu Themen wie “ Handel im Wandel“ oder „Wie der Handel in den Innenstädten in Zeiten des E-Commerce überleben kann“ erhalte. Heute erst hatte ich wieder eine derartige Speaker-Anfrage. Ganz typisch bei diesen Veranstaltungen: die Zuhörer geben oft dem Internet die Hauptschuld für ihre Probleme.

Nun ist das Internet zwar nicht ganz unschuldig an den Problemen in unseren Innenstädten, aber mein heutiges privates Einkaufserlebnis zeigt noch eine andere Seite.

Was war passiert?

Nun, im Rahmen meiner Urlaubsplanung wollte ich eine Fahrradhose kaufen. Und einfach bei amazon bestellen wollte ich nicht (auch wenn meine Lebensgefährtin das erfolgreich und günstig gemacht hatte). Ich wollte lieber anprobieren und dann auch im Ladengeschäft kaufen.

Also ins Fahrradgeschäft in der Nähe meines Büros. Kein kleiner Laden, eigentlich gut sortiert und hochwertige Produkte. Fahrradhosen? „Haben wir hier nicht. Da müßten Sie in ein Sportgeschäft gehen.“ sagt die freundliche Mitarbeiterin des Ladens.

Na gut, kein Problem. Kurze Zeit später stehe ich im Sportgeschäft. Fahrradhosen? „Oh, da haben wir aber fast keine. Da müßten Sie am besten in einen Fahrradgeschäft.“. Hm. Da komme ich aber gerade her …

Das war es dann aber auch. Ich wollte ja eigentlich in der Innenstadt kaufen. Aber die Händler dort zwingen mich ins Internet. Mag sein, dass irgendeiner, bei dem ich nicht war, auch Fahrradhosen gehabt hätte. Aber mehr als zwei Läden sollten reichen, um meinen gutem Willen zu zeigen, auch als E-Commerce-Berater in stationären Läden einzukaufen. Ich lasse mich aber nicht zwingen, stundenlang sämtliche Läden abzulaufen – ohne Erfolgsgarantie.

Übrigens: ich war später zufällig noch zu einem Kundentermin im Gewerbegebiet am Stadtrand. Dort fuhr ich zufällig an einem Sportwarenhandel vorbei – und habe dem stationären Handel noch eine letzte Chance gegeben. Und siehe da: gleich mehrere Modelle an Fahrradhosen zur Auswahl (kurz oder über das Knie, mehrere Marken und Preisklassen). Dort habe ich dann gekauft. Zwar teurer als meine Lebensgefährtin im Internet. Aber zufrieden mit Auswahl, guter Beratung und direkten Anprobieren.

Schlussfolgerungen aus Sicht des E-Commerce-Beraters:
1. Ja, der Innenstadthandel hat ein Problem mit dem Internet.
2. Aber wer Produkte gar nicht anbietet, darf sich nicht beschweren, dass der Umsatz ins Internet wandert.
3. Ein bisschen Zusammenarbeit und Koordination würde so manchen Kunden weniger ins Internet treiben.
4. Der stationäre Innenstadthandel sollte nicht alle seine Probleme auf das Internet projizieren, wie ich es so oft erlebe. Immerhin ging mein Umsatz heute (wenn auch eher noch zufällig) ja in den Stationärhandel – nur eben in einen besser sortierten draußen im Gewerbegebiet statt in der Innenstadt.
5. Der stationäre Handel hat Besonderheiten, die E-Commerce nie bieten kann: Sofort-Haben, Anfassen – Ausprobieren – Anprobieren und zwar auch mehrere Alternativen nacheinander und der soziale Kontakt (Beratung mit Verkaufspersonal, Bekannte treffen, andere Kunden, …). Wenn sich der lokale Handel darauf konzentriert und gleichzeitig das Internet nicht verdammt sondern es auch für sich nutzt – dann hat der Innenstadt-Handel weiterhin eine Zukunft.

Ich bin gespannt auf weitere Diskussionen. Hier im Weblog oder im Anschluss an meine Vorträge zu diesem Themenbereich.

Anmerkung 07.11.2015: Hat sich in über einem Jahr etwas geändert? Nicht wirklich, wie mein neuerer Beitrag zeigt: ein Beispiel, wie mich Weblogs und stationärer Handel zwingen, bei amazon zu bestellen.